Was kann gute Finanzberatung leisten?

Die Frage, wie man investieren sollte, ist gelöst. Zwar kann niemand sagen, wie das perfekte Portfolio für die nächsten 30 Jahre aussieht, aber wir wissen viel darüber, welche Strategien langfristig erfolgreich sind (z.B. Faktorprämien zusätzlich zur Marktrendite), was nicht funktioniert (Markttiming) und warum. Auf Basis dieser Informationen ist es heute möglich, ein großartiges Portfolio fast kostenlos zu implementieren. Für mich ist dies der höchste Ausdruck von Demokratie, in einer Welt, die aktuell eher durch Begrenzung und Einschränkung glänzt. Das wirft die Frage auf: Wofür braucht man denn überhaupt eine*n Finanzberater*in?

Wofür brauchst Du aus meiner Sicht keine*n Finanzberater*in?

  • um der höchstmöglichen Rendite nachzujagen
  • um dem Versprechen Glauben zu schenken, den Markt nachhaltig schlagen zu können. Dies schließt ein, Gewinner-Aktien, besondere Investmentstrategien oder Manager*innen auswählen bzw. den Markt timen zu wollen.

Die meisten Investoren sind am besten beraten, den Markt zu besitzen und ihre Kosten niedrig zu halten. Expert*innen sind schlecht darin, zuverlässige Prognosen für die Zukunft abzugeben, aber sie können nachgewiesene Wahrscheinlichkeiten recht gut bestimmen. Diese belegen, dass 90% der Manager und 63% der Einzelaktien sich über einen Zeitraum von 10 Jahren nicht besser als der Markt entwickeln. 

Nehmen wir um diese Aussage zu veranschaulichen das Beispiel eines Professors, der ein großes Glasgefäß mit Süßigkeiten in die Vorlesung bringt. Die Studierenden sollen raten, wie viele Süßigkeiten sich in dem Gefäß befinden. Alle Tipps werden notiert und ausgewertet. Das interessante Ergebnis: Der Durchschnitt aller Schätzungen liegt näher an der tatsächlichen Zahl als der beste Tipp jeder einzelnen Person. Die Gesamtheit der Teilnehmer*innen hat die richtige Anzahl also besser eingeschätzt. Aber selbst wenn ein einzelner Tipp zufällig näher an der exakten Zahl liegen oder diese treffen sollte, ist dies statistisch nicht signifikant, weil eine solche Punktlandung kaum beliebig wiederholt werden kann. Mit der Summe von Tipps sieht das anders aus. Das Ergebnis ist in unzähligen Versuchen immer wieder das Gleiche und damit statistisch zuverlässig. Was können wir daraus schließen? Die durchschnittliche Einschätzung aller Marktteilnehmer*innen und damit die Marktentwicklung zuverlässig als einzelner Teilnehmer zu übertreffen, ist nicht möglich. 

Hinter dem Versprechen das zu erreichen, steckt eher das Eigeninteresse, Gelder anvertraut zu bekommen, außerdem ist es ein beliebtes Argument, um höhere Kosten zu rechtfertigen. Was solltest Du tun, wenn Dir also ein*e Finanzberater*in erzählt, dass er oder sie den Markt zuverlässig schlagen kann? Ich würde dieser Person kein Vertrauen schenken. Mein Argument: Wenn er oder sie dies bereits nachhaltig bewiesen hat, was wäre außer Nächstenliebe / Philanthropie die Motivation, um Dein Geld zu vermehren? Müsste diese Person nicht zu den reichsten Menschen der Erde gehören oder exklusiv für diese arbeiten? Selbst Warren Buffet, einer der langfristig erfolgreichsten Investoren unserer Zeit, beansprucht für sich nicht, den Markt zu schlagen oder die Zukunft zu kennen. 

 

Was macht im Gegensatz dazu eine gute Beratung aus? 

  • Hilfestellung bei der Zielbestimmung und Bedarfsanalyse der individuellen Situation, um hoch qualifizierte finanzielle Entscheidungen zu treffen
  • technische Kompetenz in der Finanzplanung 
  • Kenntnis von Wahrscheinlichkeiten und als Konsequenz ein möglichst prognosefreier Beratungsansatz
  • die Nutzung des Verständnisses der menschlichen Psychologie, und typischer Fallen, die Anleger*innen beim Investieren im Weg stehen. 
  • An die persönlichen Verhältnisse angepasste Analyse für den individuellen Absicherungsbedarf
  • Implementierung der strategischen Vermögensaufteilung nach Kundenbedürfnissen
  • individualisierte Auswahl von Finanzprodukten
  • Verständnis und Bewusstsein für steuerliche Optimierung

Ein*e gute*r Finanzberater*in ist der-/diejenige, die der Frage auf den Grund geht, warum wir investieren wollen

  • Wie wollen wir unsere Zeit verbringen und mit wem?
  • Welchen Beruf wollen wir für ein erfülltes Leben ausüben?
  • Wieviel wollen wir sparen, wieviel ausgeben?
  • Für was wollen wir Geld ausgeben?
  • Welche Aspekte sollen bei der geplanten Anlagestrategie im Vordergrund stehen? 

Wir sind es, die bestimmen, wie wir unser menschliches, persönliches, soziales und finanzielles Kapital investieren wollen. Das hört sich sehr offensichtlich an, aber wir als Menschen sind in der Regel schlecht darin, unsere Ziele so zu definieren, dass sie zu einem bedeutenden und erfüllten Leben passen. Wir sind außerdem schlecht darin, unsere finanziellen Ziele zu definieren. 

 

Nehmen wir an, wir nehmen uns das Erreichen eines ambitionierten Ziels, wie einen frühen Ruhestand vor. Wenn wir dies mit großen Opfern oder großen Risiken kombinieren, kann es passieren, dass wir bei der Zielerreichung feststellen, dass wir weder glücklicher sind als zuvor noch generell glücklich. Im Guten wie im Schlechten, gewöhnen wir uns an eine Lebenssituation, und unsere Einstellung zu einer Situation ist oft wichtiger für unsere Lebenszufriedenheit, als die Situation an sich. Hierzu können Studien von Lottogewinner*innen und Unfallopfern herangezogen werden, die sich jeweils schnell an ihre Lebensumständen gewöhnen. Tatsächlich kehrten die meisten Betroffenen nicht lange nach ihrem lebensverändernden Ereignis zu dem Maß an Lebenszufriedenheit (oder Traurigkeit) zurück, welches sie auch zuvor besaßen. Die finanzielle Unabhängigkeit und der frühe Ruhestand, der Sportwagen oder das Haus am See erhöhen unsere Zufriedenheit wahrscheinlich nicht so sehr wie wir denken, jedenfalls nicht für eine lange Zeit. 

Aus diesem Grund hat die Bestimmung unserer Ziele eine so wichtige Bedeutung. Es gibt eine wachsende Menge an Literatur im Bereich Lebenssinn und Lebensglück. Für jede*n, der Finanzberatung in Anspruch nimmt, ist es ebenso sinnvoll, sich mit den Wahrscheinlichkeiten für finanziellen Erfolg zu beschäftigen, als auch mit denen, die für den Inhalt eines erfüllten und zufriedenen Lebens förderlich sind. Das erfordert „Perspektive“, vom Lateinischen für „hindurchblicken“, nämlich hinter die finanziellen Ziele zu sehen, die das Mittel sein sollten, um unsere wahren Ziele zu erreichen – aber niemals der Zweck unseres Handelns. 

 

Ich helfe Ihnen gern, Ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Aber ich möchte einen Schritt weiter gehen. Die Frage nach dem Warum sollte am Beginn des Prozesses stehen, damit sichergestellt ist, dass Sie Ihr Humankapital, Ihr soziales Kapital und Ihr Finanzkapital bestmöglich einsetzen.

 

Es klingt vielleicht etwas merkwürdig, dass Finanzberatung ein Verständnis der menschlichen Psychologie erfordert. Tatsächlich sind finanzielle Entscheidungen sehr weitreichend und psychologisch für uns auch belastend. Wenn die Ziele, die für uns mit einem bedeutungsvollen Leben einhergehen, erstmal definiert sind, geht es darum zu ermitteln, was die Priorisierung dieser Ziele kostet. Je nach Ziel kann dann die Umformung in eine messbare Größe (z.B. in einen Kapitalbetrag) anspruchsvoll sein. Wenn wir dies jedoch tun, und feste Summen mit dem inneren und äußeren Wert von Wünschen verbinden, können wir eine der größten psychologischen Fallen vermeiden: die unendliche Jagd nach „Mehr“. Im Aktienmarkt auf der Jagd nach Gewinnen zu spekulieren, fühlt sich wesentlich besser an, als einen Schritt zurückzutreten und darüber zu reflektieren, wieviel „Genug“ sein könnte. Genug ist die Erkenntnis, dass ein unersättlicher Appetit nach „Mehr“ uns auf einen Pfad oder an einen Punkt führt, an dem wir früher oder später Bedauern empfinden werden.

Das Konzept von „Genug“ ist psychologisch wesentlich anspruchsvoller als das Jagen nach „Mehr“.

Wenn wir für uns sinnvolle Ziele quantifiziert und Zielmarken für „Genug“ definiert haben, geht es um die Bestimmung einer Vermögensaufteilung oder Portfoliostrukturierung (Englisch: Asset Allocation). Diese ist die bedeutendste Einflussgröße für die erwarteten Investment-Renditen. Ein aggressiveres Investment Portfolio erlaubt Dir, Deine Investment-Ziele schneller oder mit weniger zusätzlichen Ersparnissen zu erreichen. Aber es macht die Ergebnisse auch unsicherer und schwieriger an dem Portfolio festzuhalten, wenn Märkte sich im Krisenmodus befinden. 

Die Kombination aus der Festlegung persönlich sinnvoller Ziele und einer angemessen Vermögensaufteilung, ist die  Schlüsselaufgabe in der Finanzberatung. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt von Kunde*in und Berater*in.

An dieser Stelle nehmen die Dinge Form an. Aber es gibt noch eine Lücke zu schließen, sofern die finanzielle Unabhängigkeit  noch nicht gegeben ist. Finanzielle Unabhängigkeit bedeutet, es besteht keine Abhängigkeit mehr von Arbeitseinkommen, die Arbeitskraft muss nicht abgesichert werden. Bezüglich des Absicherungsbedarfs zu beraten, kann -je nach Umstand- einfach oder schwierig sein. Den Bedarf zu verstehen und die Durchführung einer  Kosten-/Nutzen-Analyse, ist ein weiterer wichtiger Bestandteil von  Finanzberatung.  

Erst nachdem wir Vermögensaufteilung und Absicherungsbedarf geklärt haben, können wir uns  Finanzprodukten zuwenden. Die besten Finanzprodukte zu identifizieren welche die Investitionsstrategie erfolgreich umsetzen, erfordert ein hohes Maß an technischer Kompetenz. Dies sollte aber nur im Kontext der bereits besprochenen Punkte geschehen. In vielen Fällen beginnt eine Finanzberatung mit dem Produkt und sorgt für Enttäuschung, wenn Lebensziele oder Erwartungshaltungen nicht erreicht werden. Die Frage nach dem Warum und dem Ziel der finanziellen Struktur sollte bei einer Finanzberatung immer am Anfang stehen.

Als Letztes sind in Verbindung mit den genannten Aspekten steuerliche Auswirkungen zu berücksichtigen. Idealerweise können die erwarteten Nachsteuerrenditen verbessert werden, ohne zusätzliche (steuerliche) Risiken einzugehen. Dies erfordert nicht nur technische Kompetenz, sondern auch die entsprechenden Kontakte.

Die Frage, die noch unbeantwortet geblieben ist: Warum nehmen Investor*innen die (im Internet leicht) verfügbaren Informationen nicht einfach auf und treffen ihre Entscheidungen komplett eigenständig, ohne Finanzberater*in?

Es gibt vier Fallen, in die man leicht gerät, wenn man die Dinge in die eigene Hand nimmt:

  • Schwarz-/Weiß Kategorisierung
  • Bestätigungsfehler
  • kurzfristige emotionale Entscheidungen
  • Selbstüberschätzung

Diese Fallen werden zusammengefasst auch als „eingeschränkte Wahrnehmung“ beschrieben. Es gibt die Redewendung „den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“. Wenn wir zu stark involviert sind, kann eine unabhängige Sichtweise „von außen“ uns helfen – besonders wenn uns unsere vorhandenen Überzeugungen betriebsblind machen. 

Bessere Finanzentscheidungen mithilfe eines neutralen Blickwinkels zu treffen, ist ein starkes Argument für die Finanzberatung. 

Die Beratung durch eine*n Experte*in reduziert außerdem die Komplexität. Sind zu viele Informationen verfügbar, führt die wahrgenommene Komplexität leicht zu schwierigen Entscheidungsfindungsprozessen, welche uns stressen und überfordern. Expert*innen sollten in der Lage sein, die Glaubwürdigkeit und den Nutzen von Informationen zu bewerten, um bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen. 

 

Eine Beratung durch Spezialisten erhöht das Vertrauen in  getroffene Entscheidungen.

Menschen möchten sichergehen, dass sie nicht irgendetwas übersehen haben. Eine Studie aus Kanada ergab, dass Menschen, die ihre Entscheidung durch eine*n Finanzberater*in abgesichert hatten, ihr emotionales Wohlbefinden und ihren finanziellen Erfolg steigern konnten. Das Vertrauen, mit einer Strategie die gewünschten Ziele zu erreichen, hilft dabei, dieser auch in schweren Zeiten zu folgen und erhöht damit wiederum die Wahrscheinlichkeit für eine langfristige erfolgreiche Umsetzung.

Ein*e Finanzberater*in kann Dir wertvolle Zeit sparen und Dich zu besseren Ergebnissen führen. Meine Empfehlung: Suche Dir eine*n Finanzberater*in, welche*r persönlich und mit seinem/ihrem  Beratungskonzept zu Dir passt und Dir ein Gefühl der Sicherheit vermittelt. Das Vertrauen in eine gemeinsam erarbeitete Anlagestrategie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Anlageerfolg. Für eine Vorstellung meines Beratungskonzeptes stehe ich Dir gerne zur Verfügung.