Sieben goldene Regeln, um übermäßige Profite zu vermeiden

Viele Investor*innen tendieren dazu, lange Aufwärtsbewegungen zu verpassen und stellen im Nachhinein fest, dass sie mit zu kleinem Einsatz oder zu spät investierten. Anbei folgen einige Tipps, wie man solch halbherziges Verhalten vermeiden kann und es sogar schafft, die Bullenmärkte in ihrer Gesamtheit zu verpassen – nicht nur den aktuellen, sondern auch zukünftige. Korrekt befolgt werden diese 7 goldenen Regeln dabei helfen, das Vermögen vor nachhaltigen Anstiegen in der Zukunft zu bewahren – eine Sorge weniger.

Schon seit zehn Jahren heißt es, das leichte Geld sei verdient, der Bullenmarkt tobe und die Bewertungen haben sich völlig von der Realwirtschaft entkoppelt. Marktexperten sehen irrationale Übertreibungen und Unternehmen aus der New Economy und Technologie kennen dennoch scheinbar nur eine Richtung. Investoren springen ungern auf fahrende Züge auf, insbesondere wenn in den Medien ständig zu hören ist, dass auf aktuellen Niveaus nichts mehr zu erwarten ist und der Markt hochbewertet sei. Schmerzliche Erinnerungen an die Technologieblase oder den Neuen Markt um die Jahrtausendwende haben sich ins Gedächtnis eingebrannt. Dabei waren viele der heutigen Marktführer im Jahr 1999 noch nicht einmal an der Börse gelistet.

Nach vielen vergeblichen Versuchen, Kundenvermögen von Tages- und Termingeldern in rentablere Anlagen zu überführen und den Kunden das Thema Beteiligung an der Weltwirtschaft näherzubringen, kommt es mir so vor, als ob einige einfach kein Teil dieser Erfolgsgeschichte sein wollen.

Kommen wir also auf die Frage zurück, wie wir den Bullenmarkt verpassen können – und ich wurde gebeten klarzustellen, dass es sich bei den folgenden 7 Regeln um Ironie und nicht um ernst gemeinte Ratschläge handelt. Nach dem Ansatz der Heuristik verwenden wir hierfür eine gute Portion Bauchgefühl, einige Daumenregeln und Erfahrungswerte, die gute Aussichten auf Erfolg versprechen.  

Regel #1: Mach es selbst – delegiere niemals

Dies ist extrem wichtig, denn ein Investmentprofi könnte einen wertsteigernden Beitrag leisten. In der Medizin würden wir einen Facharzt gegenüber einem Allgemeinmediziner bevorzugen. Wenn es aber um Öl, Halbleiter, Kupfer, China, Emerging Market Anleihen oder Aktien geht, vertrauen wir Nachrichtensendern und Finanzartikeln, die man als Populismus, Sensationalismus oder dummes Zeug treffend beschreiben kann. In den USA hat sich dafür der Begriff Investmentpornographie etabliert. Ein Großteil der Inhalte in der Finanzpresse sind nicht nur nutzlos, sondern schädlich, weil sie zu fehlgeleitetem Handeln und per Saldo Kapitalvernichtung führen. 

Regel #2: Immer extreme Cash-Quoten halten

Es gibt immer einen Grund, vorsichtig zu sein. Langfristig ist Barvermögen oder „cash“ aber nicht „king“, sondern „trash“ – die Kaufkraft rinnt einem wie Sand durch die Finger. Sein Geld auf der „sicheren“ Seite zu wissen hilft, lästige Aktienmarktgewinne zu vermeiden, während Asset Preise und Bewertungen weiter steigen. 

Regel #3: Rein und raus aus dem Markt mit einem wesentlichen Anteil des Risikokapitals 

Markttiming ist auch für die erfahrensten Marktteilnehmer und professionellsten Investoren nicht möglich. Trotzdem drehen sich die Fragestellungen der Journalisten stets darum, ob es Zeit ist, einzusteigen bzw. auszusteigen. Wenn alle pessimistisch sind, kommt der Verkauf allerdings oft zu spät, und wenn alle bis zum Anschlag investiert sind, können auch die besten Nachrichten die Marktpreise nicht mehr wesentlich anheben.

Regel #4: Handle nicht regelbasiert, folge keinem Plan und wenn du einen Plan hast, halte Dich nicht daran!

Pläne erlauben es einem, auch in stürmischen Zeiten im Markt zu bleiben. Dies ist die einzige Möglichkeit, die Risikoprämie zu vereinnahmen. Vor allem wenn es turbulent wird, kann es extrem nachteilig sein, vom Plan abzuweichen. Das Verhalten während einer Marktkorrektur wie im März 2020 kann einen größeren Einfluss auf den gesamten Anlageerfolg haben als alle anderen Entscheidungen einer Investmentkarriere. 

Regel #5: Warte auf mehr Hinweise!

Wenn die ganze Welt versteht, dass wir den Turnaround schaffen und das Wachstum wieder aufnehmen, wird dies von den Märkten bereits eingepreist sein. 

Regel #6: Gewinner verkaufen, Verlierer halten!

Diese Strategie liegt tief in der Verhaltenspsychologie verankert: Wir wollen Verluste vermeiden und realisieren lieber kleine Gewinne als einen Gewinn wieder verpuffen zu sehen. Auf diese Weise bleiben nur die Werte übrig, deren Zeit nicht reif ist bzw. eine Sammlung von Verlierern. Wenn der Atem dann nicht ausreicht, werden diese Aktien rechtzeitig vor dem Turnaround wieder verkauft.

Regel #7: In Ergänzung zu Regel #6 – die aktuellen Verlierer kaufen, um das Portfolio zu ergänzen. Nachkaufen von Aktien, die bereits gekauft wurden und verloren haben, unterstützt diesen Prozess. 

Woher soll ich überhaupt wissen, dass wir uns in einem Bullenmarkt befinden? Wissen wir das nicht immer erst im Nachhinein? Eine fast zu simpel wirkende Regel kann ein wenig Aufschluss bringen. Sofern der 50-Tages Durchschnitt sich oberhalb des 200-Tage Durchschnitts bewegt, bedeutet dies, dass die Notierungen in den vergangenen 2 Monaten höher waren als in den letzten 10 Monaten. Eine Überschneidung des 50-Tages Durchschnitts von unten nach oben durch den 200-Tages Durchschnitt ist positiv zu werten, ein Fallen des 50-Tages Durchschnitts unter den 200-Tages Durchschnitt ist negativ zu werten. Dies ist keine Anleitung für Markttiming. 

Eine weitere Daumenregel: Wie lange liegt das letzte Jahreshoch zurück? Es hört sich wenig intuitiv an, neue Höchststände als ein positives Signal zu werten. Tatsache ist, langfristige Investoren sind dann bereits investiert und können an weiteren Gewinnen ohne Probleme partizipieren. Märkte in solchen Marktphasen generieren häufig weitere neue Höchststände. Die Empfehlung lautet nicht, dies zum Einstieg zu nutzen. Stattdessen sollten Anleger langfristig in die Aktienmärkte entsprechend der persönlichen Risikoneigung investieren und dann den Zinseszinseffekt und die Zeit ihre Arbeit verrichten lassen.